Die fünf biometrischen Risiken im Überblick
Biometrische Risiken sind Ereignisse, die mit dem Leben selbst zu tun haben und die finanzielle Situation dauerhaft verändern können. Der gesetzliche Schutz deckt sie jeweils nur teilweise ab:
| Risiko | Gesetzliche Absicherung | Private Lösung |
|---|---|---|
| Krankheit | Krankenversicherung, Krankengeld | Krankenversicherung, Zusatzschutz, Krankentagegeld |
| Berufsunfähigkeit | Erwerbsminderungsrente – nur bei stark eingeschränkter Erwerbsfähigkeit | Berufsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherung |
| Pflegebedürftigkeit | Soziale Pflegeversicherung – Teilleistung | Pflegetagegeld, Pflegerente |
| Tod | Hinterbliebenenrente – ersetzt nur einen Teil des Einkommens | Risikolebensversicherung |
| Langlebigkeit | Gesetzliche Rente | Private und betriebliche Altersvorsorge, Basisrente |
Berufsunfähigkeit: Ihre Arbeitskraft ist Ihr wichtigstes Kapital
Nach Berechnungen der Deutschen Aktuarvereinigung wird etwa jeder vierte Erwerbstätige vor Rentenbeginn berufsunfähig. Häufigste Ursache sind psychische Erkrankungen (35,75 %), gefolgt von Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats (17,85 %) und Krebs (16,96 %).
Der gesetzliche Schutz ist dünn: Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren ist, hat keinen gesetzlichen Berufsunfähigkeitsschutz mehr. Es bleibt die Erwerbsminderungsrente – in voller Höhe nur, wenn Sie in keinem Beruf mehr als drei Stunden täglich arbeiten können; bei drei bis unter sechs Stunden gibt es die halbe Rente. Der durchschnittliche Zahlbetrag neuer Erwerbsminderungsrenten lag 2025 bei rund 1.067 € im Monat.
Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dagegen die vereinbarte Rente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich dauerhaft – in der Regel zu mindestens 50 % – nicht mehr ausüben können.
Worauf wir bei der Berufsunfähigkeitsversicherung achten
- Verzicht auf die abstrakte Verweisung auf einen anderen Beruf
- Leistungsdauer bis zum tatsächlichen Rentenbeginn
- Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung – etwa bei Heirat, Geburt eines Kindes oder Gehaltssprung
- Dynamik von Beitrag und Rente gegen den Kaufkraftverlust
- Rückwirkende Leistung bei verspäteter Meldung
- Vollständig und korrekt beantwortete Gesundheitsfragen – vorbereitet über eine anonyme Risikovoranfrage
Früh abschließen lohnt sich: Beitrag und Annahme hängen vom Eintrittsalter und vom Gesundheitszustand ab. Wer jung und gesund abschließt, sichert sich günstige Beiträge und vermeidet Leistungsausschlüsse.
Wenn die BU schwierig ist: Grundfähigkeit, schwere Krankheiten, Erwerbsunfähigkeit
Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung wegen Vorerkrankungen, Beruf oder Budget nicht oder nur schwer abschließbar, gibt es Alternativen:
- Grundfähigkeitsversicherung: Rente, wenn Sie wichtige körperliche oder geistige Fähigkeiten verlieren – etwa Gehen, Sehen oder den Gebrauch der Hände.
- Schwere-Krankheiten-Versicherung: Einmalzahlung bei Diagnosen wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall.
- Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Rente, wenn Sie in keinem Beruf mehr nennenswert arbeiten können.
Für Beamtinnen und Beamte übernimmt die Dienstunfähigkeitsversicherung diese Aufgabe.
Pflege: Die Lücke trotz Pflegeversicherung
In Deutschland sind knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig (Destatis, Stand Dezember 2023). Die soziale Pflegeversicherung zahlt je nach Pflegegrad feste Beträge – sie ist aber nur eine Teilabsicherung.
| Pflegegrad | Pflegegeld (Pflege durch Angehörige) | Pflegesachleistung (ambulanter Dienst) |
|---|---|---|
| Pflegegrad 2 | 347 € | bis 796 € |
| Pflegegrad 3 | 599 € | bis 1.497 € |
| Pflegegrad 4 | 800 € | bis 1.859 € |
| Pflegegrad 5 | 990 € | bis 2.299 € |
Monatliche Leistungen 2026 laut Bundesgesundheitsministerium. In Pflegegrad 1 gibt es kein Pflegegeld, aber einen Entlastungsbetrag von 131 € im Monat.
Besonders deutlich wird die Lücke im Pflegeheim: Pflegebedürftige zahlen dort im ersten Jahr im Bundesdurchschnitt 3.364 € pro Monat aus eigener Tasche – für Pflege, Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten (vdek, Stand 1. Juli 2026).
Eine private Pflegezusatzversicherung – meist als Pflegetagegeld – zahlt einen frei verfügbaren Betrag je Pflegegrad. Wir achten auf Leistungen schon ab Pflegegrad 2, Beitragsbefreiung im Leistungsfall und eine Dynamik, die mit steigenden Kosten Schritt hält.
Hinterbliebene absichern: Risikolebensversicherung
Stirbt ein Elternteil oder der Hauptverdiener, ersetzt die gesetzliche Hinterbliebenenrente nur einen Teil des Einkommens. Eine Risikolebensversicherung zahlt im Todesfall die vereinbarte Summe an die Begünstigten. Sie eignet sich besonders für Familien mit Kindern und zur Absicherung einer Immobilienfinanzierung – auch mit fallender Versicherungssumme passend zum Darlehen.
Für unverheiratete Paare: Mit einer Über-Kreuz-Gestaltung – jeder Partner versichert das Leben des anderen – lässt sich vermeiden, dass die Versicherungssumme der Erbschaftsteuer unterliegt.
Langlebigkeit: Altersvorsorge, die Ihren Ruhestand trägt
Das Rentenniveau liegt 2026 bei 48 % – die gesetzliche Haltelinie gilt bis zur Rentenanpassung 2031. Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis einer Standardrente nach 45 Beitragsjahren zum Durchschnittsverdienst, vor Steuern. Wer weniger Beitragsjahre oder ein höheres Einkommen hat, für den fällt die Lücke oft größer aus.
Bausteine der privaten Vorsorge
- Basisrente: steuerlich besonders attraktiv für Selbstständige und Gutverdiener – 2026 sind Altersvorsorgeaufwendungen bis 30.826 € (Ledige) bzw. 61.652 € (Verheiratete) als Sonderausgaben abziehbar.
- Betriebliche Altersversorgung: Entgeltumwandlung mit Arbeitgeberzuschuss sowie Steuer- und Sozialabgabenvorteilen.
- Private Rentenversicherung & Fondspolicen: flexibel und mit lebenslanger Rentenzahlung als Schutz vor dem Langlebigkeitsrisiko.
- Neue geförderte Vorsorge ab 2027: Ab dem 1. Januar 2027 gibt es das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot. Neue Riester-Verträge werden dann nicht mehr abgeschlossen; bestehende laufen weiter.
Häufige Fragen
Bin ich als Angestellter gesetzlich gegen Berufsunfähigkeit abgesichert?
Nur sehr eingeschränkt. Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren ist, erhält bei Berufsunfähigkeit keine gesetzliche Leistung mehr, sondern nur bei Erwerbsminderung: die volle Erwerbsminderungsrente, wenn Sie in keinem Beruf mehr als drei Stunden täglich arbeiten können. Voraussetzung sind unter anderem fünf Jahre Versicherungszeit und drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren.
Wie hoch ist der Eigenanteil im Pflegeheim?
Im Bundesdurchschnitt zahlen Pflegebedürftige im ersten Jahr im Pflegeheim 3.364 € pro Monat selbst (vdek, Stand 1. Juli 2026). Mit längerer Aufenthaltsdauer steigen die Zuschläge der Pflegekasse auf den pflegebedingten Anteil – Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten tragen Bewohner aber weiterhin selbst.
Was ändert sich 2027 bei der geförderten Altersvorsorge?
Mit der Reform der privaten Altersvorsorge kommt ab dem 1. Januar 2027 das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot. Neue Riester-Verträge im bisherigen Modell werden dann nicht mehr abgeschlossen; bestehende Verträge laufen weiter, ein Wechsel ist freiwillig möglich. Neu förderberechtigt sind auch Selbstständige.
Pflegetagegeld oder Pflegekostenversicherung – was ist besser?
Das Pflegetagegeld zahlt einen festen, frei verfügbaren Betrag je Pflegegrad – unabhängig von den tatsächlichen Kosten und auch dann, wenn Angehörige pflegen. Die Pflegekostenversicherung erstattet nachgewiesene Kosten. Viele Kunden entscheiden sich wegen der Flexibilität für das Pflegetagegeld; welche Lösung passt, hängt von Ihrer Situation ab.
Quellen & Stand der Informationen
- Deutsche Aktuarvereinigung: Pressemeldung zur BU-Absicherung (08.07.2021)
- GDV: Ursachen der Berufsunfähigkeit (Auswertung Morgen & Morgen, 05/2025)
- Deutsche Rentenversicherung: Erwerbsminderungsrente
- Deutsche Rentenversicherung: Jahresbericht – in Zahlen 2025
- Destatis: Pflegebedürftige in Deutschland (Pressemitteilung 12/2024)
- Bundesgesundheitsministerium: Leistungsbeträge der Pflegeversicherung 2026
- vdek: Eigenanteile in der stationären Pflege, Stand 1. Juli 2026
- Deutsche Rentenversicherung: FAQ Rentenanpassung 2026
- MLP Themenservice: Änderungen 2026 (Höchstbetrag Altersvorsorgeaufwendungen)
- Bundesregierung: Reform der privaten Altersvorsorge
Stand: Oktober 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils geltenden Gesetze, Verordnungen und Versicherungsbedingungen.
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